URSULA HOHLWEG

Worauf kommt es (in unserer Zusammenarbeit) an?

Anteilnahme, Mitgefühl und liebevolles Hinschauen.

Durch meine Arbeit mit den vielen Menschen, die ich auf ihrem Heilungsweg begleite, aber auch durch meine ganz persönliche Erfahrung ist mir immer klarer geworden, dass es weniger das „fachliche Wissen“ oder eine bestimmte Methode oder Technik ist, die uns wieder zu einem gesunden Gleichgewicht zurückbringt.

Es ist vielmehr die Anteilnahme, das Mitgefühl, das liebevolle Hinschauen, Halten und Umarmen schmerzlicher Erfahrungen und das gemeinsame Stärken von Ressourcen, das Erfahren von Liebe und Geborgenheit, das bewirkt, dass wir wieder in unsere Mitte und Kraft finden.

Es geht deshalb in unserer Zusammenarbeit nicht darum, Symptome zum Verschwinden zu bringen, sondern darum, einen Weg aus Belastungen, Verwirrungen und Verstricken in deine Klarheit, deine Freiheit und deine volle Kraft zu gehen. Es ist ein Weg, der in die Tiefe geht und seine Zeit braucht und sich so sehr lohnt.

Meine Aufgabe dabei ist es einen sicheren und geborgenen Raum für dich zu öffnen, in dem du dich angenommen, gesehen, gehört und verstanden fühlst – ein Raum, in dem du in Kontakt mit deinen Ressourcen kommen und die Möglichkeiten entdecken kannst, die in dir verborgen sind. Ein Raum, in dem tiefe Erkenntnis und nachhaltige Veränderung für dich geschehen kann. Besonders wichtig ist mir dabei, dir den Zusammenhang zwischen deinen Gedanken, deinen Emotionen und deinem Körper zu verdeutlichen.

Ein tieferes Verstehen und Begreifen.

Im Laufe der Jahre wurde mir klar, dass wir Menschen so wie Overhead-Projektoren sind.

Wir strahlen unser Licht hinein in die Welt. Mit jeder negativen Erfahrung die wir nicht vollständig verarbeitet oder verdrängt – und folglich in uns festgehalten – haben, legt sich eine mit dunklen Stellen befleckte oder verschmierte Folie auf den Projektor. Und noch eine. Und noch eine. Und dann stehen wir eines Tages da und es kommt kaum noch Licht durch diese vielen Schichten.

Wir nehmen nur noch den Schmerz und das Negative wahr, das uns widerfahren ist in unserem Leben und schließlich sind wir überzeugt: die Welt ist ein dunkler, schlimmer Ort. Aus Angst vor noch mehr Verletzung oder Ablehnung verstecken wir dann die kostbarsten Anteile unseres Wesens vor uns selbst und anderen, und werden innerlich immer leerer, sind aber gleichzeitig ständig auf der Suche nach dem, was uns fehlt. All diese Anspannung, dieser innere Stress führen dazu, dass wir uns immer kraftloser fühlen, dass unser Leben immer mehr aus dem Gleichgewicht kommt und schließlich werden wir krank.

Doch unser Licht das scheint immer noch. Es ist immer noch das gleiche Licht – ganz egal wie schlimm das ist was uns widerfahren ist, ganz egal wie hoch sich die grauen, verschmierten Folien stapeln. Ganz gleich wie sehr wir uns verschlossen, verbogen uns selbst verraten haben. Ganz gleich wie sehr unser Körper unter der Last unserer Vergangenheit leidet. Das Licht in uns ist immer noch das gleiche.

Wenn wir bereit dazu sind, können wir all diese Folien wieder entfernen indem wir sie loslassen. Das erfordert Mut und Ausdauer, weil wir auf diesem Weg nicht nur angenehme Erfahrungen durchlaufen. Doch mit jedem unbewussten oder verdrängten Schmerz, den wir erlösen, wird unser Welt wieder ein Stückchen heller, fühlt es sich ein bisschen leichter an, werden wir ein stück gesünder, entspannter und zufriedener. Der Fluss unseres Lebens fließt in neue Richtungen – in eine immer größere Freiheit, Ausdehnung, Lebendigkeit, Weite und Tiefe.

Ich kenne den Schmerz.

Ich kenne den Schmerz. Die innere Unruhe, die Angst, die Panik. Den inneren Druck, die Anspannung, die Erschöpfung. Die Starre, die Verzweiflung, die Ohnmacht, die Hilflosigkeit. Die Sucht. Den Kampf. Das Aufgeben-Wollen. Die Hoffnungslosigkeit, die Selbstablehnung und die Traurigkeit die alles sinnlos erscheinen lässt.

Ich hab dem Tod mehr als einmal in die Augen geschaut. Und ich weiß, dass manches Mal mehr Mut dazu gehört, weiter zu machen und am Leben zu bleiben, als aufzugeben und zu sterben.

Ich kenne aber auch das unendlich große Glück, alles Alte und Schmerzhafte hinter mir zu lassen, zu heilen, zu mir selbst zu finden, mich zu spüren, und endlich ganz in meinem Leben angekommen und am richtigen Platz zu sein.

Und es ist mein größter Wunsch, dass auch du dieses Glück jeden Tag deines Lebens erfahren kannst.

Von Herzen,

Ursula =)

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Unbewusste Trauer.

Wenn wir trauern, ohne es zu wissen...

Wenn die Erfahrung eines Verlustes kaum oder gar nicht emotional erfahren und durchlebt wird oder werden kann, drückt sich die Trauerreaktion vorwiegend über körperliche Symptome aus. Der Körper übernimmt die unverarbeiteten Gefühle und entwickelt spezifische Anpassungsstrategien, die sich als chronische und/oder psychosomatische Beschwerden zeigen. Die Trauer ist so tief in uns verborgen, dass wir uns an sie nicht mehr bewusst erinnern – wir haben die Verbindung zu unseren tiefsten Gefühlen verloren.

Vielleicht gab es schon in unserer Kindheit in unserem familiären Umfeld aus den verschiedensten Gründen kein Platz für unsere Gefühle. Vielleicht war niemand da, der unsere Trauer wahrgenommen hat. Vielleicht wollten wir unsere Trauer auch gar nicht zeigen, weil wir uns für unsere Gefühle schämten oder wir unsere Eltern und Geschwister nicht belasten wollten.

Aus der Somato Emotionalen Entspannung ist Phänomen der Trauer über unvollendete biologische Prozesse bekannt. Das bedeutet, dass ein natürlich geplanter oder vorherbestimmter biologischer Ablauf nicht vollendet wurde und sich als Unwohl-Sein, Schmerz oder Störung im Körper manifestiert. Dies kann eine Schwangerschaft sein, die durch eine Fehlgeburt oder einen Not-Kaiserschnitt nicht dem biologischen Programm gemäß vollendet wurde. Oder eine Geburt, bei der das Bonding mit dem Baby nicht in der optimalen Form möglich war. Auch ein gestörter Prozess der Reproduktion durch Sterilisation oder Kinderlosigkeit kann zu körperlichen Trauerprozessen führen.

Aber auch der Verlust der körperlichen Unversehrtheit durch Operationen, durch schwere Krankheiten oder der Verlust von biologischen Funktionen und körperlichen Fähigkeiten wie z.B. durch eine Sterilisation, eine Amputation oder die Entfernung eines Organs können biologische Trauerprozesse und entsprechende psychosomatische Beschwerden auslösen, wenn sich Betroffene des Verlustes nicht bewusst sind und diesen weder verarbeitet noch integriert haben.

Und schließlich kann es auch sein, dass wir um etwas trauern, das wir niemals hatten – beispielsweise eine unbeschwerte Kindheit, wenn wir ohne Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister aufwuchsen. Wenn wir viel zu früh erwachsen werden mussten durch kranke, traumatisierte oder süchtige Eltern, um die wir uns kümmern mussten oder weil wir selbst krank und lange Zeit im Spital auf uns selbst gestellt waren. Viele von uns trauern tief in ihrem Inneren, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem ihr wahres Potenzial nicht erkannt, gesehen und gefördert wurde, weil sie nie vollständig und ganz wahrgenommen wurden, so wie sie wirklich sind – ihr Licht, ihre Liebe und ihre Seele.

Wenn wir von Anfang an mit solchen Verlusten leben müssen, dann wird der Verlust „normal“ und wir haben ganz vergessen, dass wir eine tiefe Traurigkeit in uns tragen, die gesehen, gefühlt und erlöst werden will.

Es gibt fünf verschiedene Formen von unbewusster Trauer, die sich besonders gravierend auf unser Leben auswirken: Verlust in vorgeburtlicher Zeit, Verlust einer heilen Geburtserfahrung, Verlust von Urvertrauen im Kindesalter, Verluste aus früheren Leben, Übernommene Verluste aus dem Ahnenfeld. 

Mehr Informationen dazu findest Du im Blog-Artikel „Unbewusste Trauer“.

Komplizierte Trauer.

Wenn Trauer kompliziert wird...

Werden die Gefühle der Trauer aus verschiedensten Gründen verneint, unterdrückt oder nur teilweise durchlebt, kann der Verlust im Laufe der Zeit nicht auf gesunde Weise verarbeitet und integriert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz bleibt aus – wir bleiben in Trauerkrisen verhaftet.

Vor allem dann, wenn Betroffene sich selbst nicht erlauben zu trauern, sich für ihre Trauer schämen oder ihre Trauer aus verschiedenen persönlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen nicht leben können, verkompliziert sich der Trauerprozess.

Die Trauer wird unterdrückt, dauert sehr lange an oder ist mit extremen Gefühlen verbunden – wie beispielsweise starkem Zorn oder extrem starken Schuldgefühlen. Diese Probleme hängen oft mit einer sehr ambivalenten und stark belasteten Beziehung zum Verstorbenen zusammen.

Die nicht verarbeitete Trauer kann sich in Depression, in Panik- und Angstzuständen, in verschiedensten psychosomatischen und körperlichen Symptomen ausdrücken und sogar Suchterkrankungen nach sich ziehen. Wir verlieren den positiven Blick auf uns und unser Leben, unsere Perspektiven und unseren Lebensmut.

Auch bereits länger zurückliegende Verluste, die noch nicht verarbeitet wurden, können eine große Belastung für Betroffene und ihr Umfeld darstellen und zu ungesunden und dauerhaften Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Zieht sich der/die Trauernde sozial stark zurück, verspürt starke Schuldgefühle oder lang anhaltende Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung, leidet unter psychosomatischen Symptomen (Schlaflosigkeit, Brust- oder Herzschmerzen, Gewichtsabnahme, etc.) oder äußert den Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen oder ohne das Verlorene nicht weiter leben zu können, ist eine professionelle psychologische Beratung oder Psychotherapie dringend anzuraten.

Erschwerte Trauer.

Wenn Trauer unerträglich ist...

Plötzlich und unerwartete sowie traumatische Todesfälle können den Trauerprozess erschweren oder verhindern beziehungsweise die Trauerreaktionen stark intensivieren.

Wenn Menschen durch eigene Hand (Suizid) aus dem Leben scheiden, ist der Prozess des Abschied-Nehmens und des Trauerns für die Hinterbliebenen sehr komplex. Trauer und Schmerz mischen sich mit Wut und Schuldgefühlen und quälenden Fragen nach dem Warum und was man hätte tun können, um es zu verhindern.

Hinzu kommt, dass das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabubehaftet ist – Betroffene sind mit einem stark verunsicherten Umfeld konfrontiert oder verschweigen den Suizid aus Schamgefühl oder um das Andenken des Verstorbenen nicht zu beschmutzen.

Der Tod des eigenen Kindes (plötzlicher Kindstod, Unfall, Krankheit, Drogenmissbrauch, Selbsttötung oder Gewaltverbrechen) stürzt die Hinterbliebenen und ihre gesamtes Umfeld meist in eine tiefe persönliche, partnerschaftliche und familiäre Krise. Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Tod eines Neugeborenen fehlt im Umfeld häufig das Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse verwaister Eltern. 

Ein medizinisch notwendiger oder von den Eltern gewollter  Schwangerschaftsabbruch stellt ebenfalls eine traumatische Erfahrung und eine große Belastung für die Eltern und auch ihre Beziehung dar. Das Verständnis, dass nach einer bewussten Entscheidung zur Beendigung einer Schwangerschaft großer Schmerz, tiefe Trauer und starke Schulgefühle auftreten, fehlt meistens.

Auch unklare Verlustsituationen bei verschwundenen, verschollenen oder vermissten Personen, eine besonders belastete Beziehungssituation (körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Co-Abhängigkeit),  vorausgegangene nicht bewältigte Verlusterfahrungen, soziale Isolation, ein fehlender emotionaler Austausch im persönlichen Umfeld sowie die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Verlust können eine natürliche Verarbeitung erschweren, verlängern oder sogar unmöglich machen.