URSULA HOHLWEG

Schon wieder.

Schon wieder

Heute war wieder einer dieser Tage.

Wieder in mein altes Ich zurückgefallen. Wieder an der selben Stelle der immer gleichen Schallplatte hängen geblieben.

„Was hat dieser ganze Heilungsweg überhaupt für einen Sinn?“, fragte ich mich. „Wenn es ja dann doch wieder so ist, dass sich all dieser alte Mist am Ende des Tages ins Fäustchen lacht.“

Ich ärgerte mich über mich selbst. Ich hatte wieder das Gefühl, etwas falsch zu machen, es nicht gut genug zu machen. Schon wieder auf der Stelle zu treten.

„Ob das alles überhaupt jemals aufhört? Das Heilen, das Hinschauen, das Reinigen, das Transformieren? Wird es jemals eine Zeit geben, wo alles einfach nur gut, heil und ganz ist? Und ich endlich wieder durchschnaufen kann?“

Ich fühlte, wie ich immer mürrischer und verzweifelter wurde.

„Und wo ist dieses verdammte Goldene Zeitalter von dem alle reden und dass uns alle schon bald in eine neue Welt führen wird, eine Welt, in der wir uns alle als Einheit fühlen lernen und all dieses Leid, dieser unsägliche Schmerz aufhört?“

Ich hatte gute Lust, einfach alles hinzuschmeißen.

Diese ganze Selbstoptimierung und das Arbeiten für eine lichtvollere Welt hing mir heute so richtig zum Hals heraus. Wenn sich am Ende des Tages ja doch nichts änderte.

Ich seufzte.

„Alles in Deinem Leben ist nur eine Projektion Deines menschlichen Geistes. Es sind verzerrt Bilder, die Dir die Illusion der Trennung, das Leid und den Schmerz vorgaukeln.“

Auch wenn ich genau fühlte, das es stimmte – ein Vortrag von meiner Seele war so ziemlich das letzte, was ich jetzt hören wollte.

„Na genau. Das bilde ich mir also alles auch nur ein? Dafür fühlt es sich aber sehr real an“, sagte ich trotzig.

„Wenn Du nach innen schaust und eintauchst, in Dein Herz. Was fühlst Du da?“, hörte ich es ganz sanft und liebevoll von innen an mein Ohr dringen.

„Gar nichts.“

Ich schmollte. Und hatte keine Lust irgendwas zu fühlen.

„Wenn Du nach innen schaust, und eintauchst, in Dein Herz. Was fühlst Du da?“

Ich wollte nicht hinfühlen, aber die Sanftheit, Weichheit, Freundlichkeit, Güte und diese Bedingungslosigkeit der Liebe die ich in ihrer Stimme fühlen konnte, wärmte mich von innen.

Meine Mundwinkel gingen nach oben.

Ich lächelte.

Und atmete tief durch.

Ich wusste, weil ich es schon so viele unzählige Male erlebt hatte, mein Verstand und mein Ego hatten keine Chance mehr gegen mein Herz.

„Ich sehe und fühle, dass in der Einheit mit mir und dem Leben, tief in meinem Herzen, alles heil und ganz IST“, sagte ich.

Mein Körper entspannte sich.

Und irgendwie war es absurd. Ich sah doch mit meinen eigenen Augen, wie schlimm es in der Welt zuging und auch wie schlimm es in mir selbst oft aussah.

„Lass Dich nicht länger von Deinen Verletzungen und Wunden abhalten, genau die zu sein, die Du bist. Sei einfach Du selbst und höre auf, so hart zu Dir selbst zu sein. Das ist nämlich alles andere als liebevoll und hilfreich für Dich.“

Das hätte nicht wahrer sein können.

Immer noch quälte ich mich dieser innere Kritiker mit seinem Pefektions- und Selbstoptimierungswahn. Und all das war letztlich ja doch wieder nur eine Identifikation mit meinem Verstand, meinem Ego, der Illusion der Trennung.

Und ich wusste das. Schon so lange. Und immer noch ging ich mir selbst auf dem Leim. Immer und immer wieder.

Ich fühlte, wie ich wieder begann mich über mich selbst zu ärgern.

„Lass die Illusion der Trennung, der Wut, des Schmerzes und der Unversöhnlichkeit Dich nicht länger davon abhalten, Dein Herz vollständig zu öffnen und all die Wunder zu empfangen, die Du so sehr verdient hast.“

Das klang ja wieder alles zu schön um wahr zu sein.

„Aber wie mache ich das? Wie soll das gehen?“

„Indem Du bist, wer Du wirklich bist. Jetzt. Mit all Deinen Unvollkommenheiten, Fehlern, Verletzungen und deinem verzerrten Bild von der Welt. Du kannst ganz Du selbst sein. Genau jetzt.

Es ist ganz einfach, glaube mir.

Denn Du bist schon, wer Du wirklich bist. Tief in Deinem Inneren. Es ist alles schon da, wonach Du suchst. Denn Du bist die Liebe. Und wenn Du wirklich Du sein willst, gibt es für Dich nur eines zu tun: Sei diese Liebe.“

Ich hatte Tränen in den Augen.

Ich konnte nicht glauben, dass es einfach reichte, ich zu sein. Und alles zu lieben, was auch immer es war.

Ich spürte all diese Momente, wo ich nicht die Liebe war. Und das tat erst so richtig weh.

Ich weinte.

Doch ich fühlte wie ich immer leichter und klarer wurde.

„Vertraue mir, es funktioniert. Du wirst sehen. Du bist am besten Weg.“

Ich fühlte neue Hoffnung, Mut und ganz viel Liebe in meinem Herzen.

Mein Herz, das hüpfte freudig und lächelte.

Und ich… ich lächelte auch.

Von Herzen,

Ursula =)

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Unbewusste Trauer.

Wenn wir trauern, ohne es zu wissen...

Wenn die Erfahrung eines Verlustes kaum oder gar nicht emotional erfahren und durchlebt wird oder werden kann, drückt sich die Trauerreaktion vorwiegend über körperliche Symptome aus. Der Körper übernimmt die unverarbeiteten Gefühle und entwickelt spezifische Anpassungsstrategien, die sich als chronische und/oder psychosomatische Beschwerden zeigen. Die Trauer ist so tief in uns verborgen, dass wir uns an sie nicht mehr bewusst erinnern – wir haben die Verbindung zu unseren tiefsten Gefühlen verloren.

Vielleicht gab es schon in unserer Kindheit in unserem familiären Umfeld aus den verschiedensten Gründen kein Platz für unsere Gefühle. Vielleicht war niemand da, der unsere Trauer wahrgenommen hat. Vielleicht wollten wir unsere Trauer auch gar nicht zeigen, weil wir uns für unsere Gefühle schämten oder wir unsere Eltern und Geschwister nicht belasten wollten.

Aus der Somato Emotionalen Entspannung ist Phänomen der Trauer über unvollendete biologische Prozesse bekannt. Das bedeutet, dass ein natürlich geplanter oder vorherbestimmter biologischer Ablauf nicht vollendet wurde und sich als Unwohl-Sein, Schmerz oder Störung im Körper manifestiert. Dies kann eine Schwangerschaft sein, die durch eine Fehlgeburt oder einen Not-Kaiserschnitt nicht dem biologischen Programm gemäß vollendet wurde. Oder eine Geburt, bei der das Bonding mit dem Baby nicht in der optimalen Form möglich war. Auch ein gestörter Prozess der Reproduktion durch Sterilisation oder Kinderlosigkeit kann zu körperlichen Trauerprozessen führen.

Aber auch der Verlust der körperlichen Unversehrtheit durch Operationen, durch schwere Krankheiten oder der Verlust von biologischen Funktionen und körperlichen Fähigkeiten wie z.B. durch eine Sterilisation, eine Amputation oder die Entfernung eines Organs können biologische Trauerprozesse und entsprechende psychosomatische Beschwerden auslösen, wenn sich Betroffene des Verlustes nicht bewusst sind und diesen weder verarbeitet noch integriert haben.

Und schließlich kann es auch sein, dass wir um etwas trauern, das wir niemals hatten – beispielsweise eine unbeschwerte Kindheit, wenn wir ohne Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister aufwuchsen. Wenn wir viel zu früh erwachsen werden mussten durch kranke, traumatisierte oder süchtige Eltern, um die wir uns kümmern mussten oder weil wir selbst krank und lange Zeit im Spital auf uns selbst gestellt waren. Viele von uns trauern tief in ihrem Inneren, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem ihr wahres Potenzial nicht erkannt, gesehen und gefördert wurde, weil sie nie vollständig und ganz wahrgenommen wurden, so wie sie wirklich sind – ihr Licht, ihre Liebe und ihre Seele.

Wenn wir von Anfang an mit solchen Verlusten leben müssen, dann wird der Verlust „normal“ und wir haben ganz vergessen, dass wir eine tiefe Traurigkeit in uns tragen, die gesehen, gefühlt und erlöst werden will.

Es gibt fünf verschiedene Formen von unbewusster Trauer, die sich besonders gravierend auf unser Leben auswirken: Verlust in vorgeburtlicher Zeit, Verlust einer heilen Geburtserfahrung, Verlust von Urvertrauen im Kindesalter, Verluste aus früheren Leben, Übernommene Verluste aus dem Ahnenfeld. 

Mehr Informationen dazu findest Du im Blog-Artikel „Unbewusste Trauer“.

Komplizierte Trauer.

Wenn Trauer kompliziert wird...

Werden die Gefühle der Trauer aus verschiedensten Gründen verneint, unterdrückt oder nur teilweise durchlebt, kann der Verlust im Laufe der Zeit nicht auf gesunde Weise verarbeitet und integriert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz bleibt aus – wir bleiben in Trauerkrisen verhaftet.

Vor allem dann, wenn Betroffene sich selbst nicht erlauben zu trauern, sich für ihre Trauer schämen oder ihre Trauer aus verschiedenen persönlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen nicht leben können, verkompliziert sich der Trauerprozess.

Die Trauer wird unterdrückt, dauert sehr lange an oder ist mit extremen Gefühlen verbunden – wie beispielsweise starkem Zorn oder extrem starken Schuldgefühlen. Diese Probleme hängen oft mit einer sehr ambivalenten und stark belasteten Beziehung zum Verstorbenen zusammen.

Die nicht verarbeitete Trauer kann sich in Depression, in Panik- und Angstzuständen, in verschiedensten psychosomatischen und körperlichen Symptomen ausdrücken und sogar Suchterkrankungen nach sich ziehen. Wir verlieren den positiven Blick auf uns und unser Leben, unsere Perspektiven und unseren Lebensmut.

Auch bereits länger zurückliegende Verluste, die noch nicht verarbeitet wurden, können eine große Belastung für Betroffene und ihr Umfeld darstellen und zu ungesunden und dauerhaften Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Zieht sich der/die Trauernde sozial stark zurück, verspürt starke Schuldgefühle oder lang anhaltende Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung, leidet unter psychosomatischen Symptomen (Schlaflosigkeit, Brust- oder Herzschmerzen, Gewichtsabnahme, etc.) oder äußert den Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen oder ohne das Verlorene nicht weiter leben zu können, ist eine professionelle psychologische Beratung oder Psychotherapie dringend anzuraten.

Erschwerte Trauer.

Wenn Trauer unerträglich ist...

Plötzlich und unerwartete sowie traumatische Todesfälle können den Trauerprozess erschweren oder verhindern beziehungsweise die Trauerreaktionen stark intensivieren.

Wenn Menschen durch eigene Hand (Suizid) aus dem Leben scheiden, ist der Prozess des Abschied-Nehmens und des Trauerns für die Hinterbliebenen sehr komplex. Trauer und Schmerz mischen sich mit Wut und Schuldgefühlen und quälenden Fragen nach dem Warum und was man hätte tun können, um es zu verhindern.

Hinzu kommt, dass das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabubehaftet ist – Betroffene sind mit einem stark verunsicherten Umfeld konfrontiert oder verschweigen den Suizid aus Schamgefühl oder um das Andenken des Verstorbenen nicht zu beschmutzen.

Der Tod des eigenen Kindes (plötzlicher Kindstod, Unfall, Krankheit, Drogenmissbrauch, Selbsttötung oder Gewaltverbrechen) stürzt die Hinterbliebenen und ihre gesamtes Umfeld meist in eine tiefe persönliche, partnerschaftliche und familiäre Krise. Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Tod eines Neugeborenen fehlt im Umfeld häufig das Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse verwaister Eltern. 

Ein medizinisch notwendiger oder von den Eltern gewollter  Schwangerschaftsabbruch stellt ebenfalls eine traumatische Erfahrung und eine große Belastung für die Eltern und auch ihre Beziehung dar. Das Verständnis, dass nach einer bewussten Entscheidung zur Beendigung einer Schwangerschaft großer Schmerz, tiefe Trauer und starke Schulgefühle auftreten, fehlt meistens.

Auch unklare Verlustsituationen bei verschwundenen, verschollenen oder vermissten Personen, eine besonders belastete Beziehungssituation (körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Co-Abhängigkeit),  vorausgegangene nicht bewältigte Verlusterfahrungen, soziale Isolation, ein fehlender emotionaler Austausch im persönlichen Umfeld sowie die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Verlust können eine natürliche Verarbeitung erschweren, verlängern oder sogar unmöglich machen.