Raum lassen: Achtsamkeit als Trauerweg

Rosa Blüte mit Wassertropfe für Raum lassen bei trauerlicht

Inhaltsverzeichnis

Wenn Trauer über uns hereinbricht, fühlt es sich an, als würde die Welt zusammenbrechen. Wir suchen nach Lösungen, nach einem Weg, den Schmerz zu überwinden – doch was, wenn der Schlüssel nicht im Überwinden, sondern im Annehmen liegt? Die buddhistische Lehrerin Pema Chödrön lädt uns in ihrem Zitat dazu ein, Raum für alle Gefühle zu schaffen – für Trauer, Elend, aber auch für Linderung und Freude.

Dieser Gedanke ist wie ein sanfter Ruf, die Kontrolle loszulassen und der Heilung Raum zu geben. In diesem Artikel reflektieren wir über Pema Chödröns Worte, erkunden ihre Bedeutung für den Trauerprozess und bieten Dir Impulse, um Raum für deine Gefühle zu schaffen. Mein Ziel: Dir einen Weg zeigen, wie Du Trauer mit Achtsamkeit und Liebe halten kannst, um Heilung zu finden.

Raum lassen

Wenn die Dinge über uns zusammenbrechen, dann ist das eine Prüfung und gleichzeitig ein Heilungsprozess.

Wir glauben, es ginge darum, die Prüfung zu bestehen und das Problem zu überwinden, aber in Wirklichkeit gibt es gar keine Lösung.

Die Dinge kommen zusammen und fallen wieder auseinander.

Dann kommen sie wieder zusammen und fallen wieder auseinander.

So einfach ist es.

Die Heilung stellt sich ein, wenn wir allem Geschehen Raum lassen.

Raum für Trauer, Raum für Linderung, Raum für Elend, Raum für Freude.

Pema Chödrön

Diese Worte sind wie ein tiefer Atemzug in der Enge der Trauer. Pema Chödrön, eine buddhistische Nonne und Lehrerin, spricht von der Vergänglichkeit des Lebens – alles kommt und geht, wie Wellen am Ufer. In der Trauer neigen wir dazu, gegen den Schmerz anzukämpfen, ihn zu lösen oder zu unterdrücken. Doch Chödrön zeigt einen anderen Weg: Raum lassen. Indem wir unsere Gefühle – ob Trauer, Wut oder flüchtige Momente der Freude – ohne Urteil zulassen, öffnen wir die Tür zur Heilung. Dieser Ansatz ist tief im Buddhismus verwurzelt, wo Achtsamkeit und Mitgefühl uns lehren, das Leben so anzunehmen, wie es ist.

Reflexion: Was bedeutet „Raum lassen“ in der Trauer?

„Raum lassen“ bedeutet, den Dingen ihren Lauf zu lassen, ohne sie zu erzwingen oder zu bekämpfen. In der Trauer heißt das, den Schmerz nicht als Feind zu sehen, sondern als einen Gast, der Platz in Deinem Herzen braucht. Vielleicht kennst Du diese Momente: Du weinst, weil ein Lied Dich an einen geliebten Menschen erinnert, und fühlst Dich schuldig, weil Du „nicht weiterkommst“. Doch was, wenn Du Dir erlaubst, einfach zu weinen, ohne Dich zu drängen? Oder wenn Du einen Moment der Freude zulässt, ohne Dich für sie zu schämen? Pema Chödröns Worte erinnern uns daran, dass Trauer kein Problem ist, das gelöst werden muss, sondern ein Prozess, der gelebt werden will.

Dieser Ansatz kann besonders heilsam sein, wenn die Trauer Dich überwältigt. Raum lassen bedeutet, Dir selbst die Erlaubnis zu geben, alles zu fühlen – die schwere Traurigkeit, die Wut, die Leere, aber auch die kleinen Lichtblicke, wie ein Lächeln über eine Erinnerung. Es ist ein Akt der Selbstliebe, der Dein Nervensystem beruhigt und Dich mit deiner Menschlichkeit verbindet. Indem Du Raum schaffst, erlaubst Du Deiner Seele, sich zu entfalten, genau wie eine Blume, die Zeit braucht, um zu blühen.

Die Kraft des Annehmens

Pema Chödröns Zitat spiegelt eine universelle Weisheit wider, die über den Buddhismus hinausgeht. In der Psychologie zeigt die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), dass das Annehmen von Gefühlen – statt sie zu bekämpfen – die emotionale Resilienz stärkt. In der Trauerarbeit ist dies besonders wichtig: Wenn wir unsere Gefühle unterdrücken, können sie sich im Körper festsetzen – als Verspannungen, Schlaflosigkeit oder Erschöpfung. Raum lassen, wie Chödrön es beschreibt, hilft, diese Gefühle fließen zu lassen, sodass sie sich wandeln können. Es ist, als würdest du eine Tür öffnen, durch die der Schmerz kommen und gehen darf, ohne Dich zu definieren.

Für Trauernde ist dieser Raum ein Geschenk. Er erlaubt Dir, den Verlust zu ehren, ohne Dich darin zu verlieren. Vielleicht spürst Du Deinen geliebten Menschen in einem Moment der Stille, in einem Duft oder in einer Erinnerung, die Dich lächeln lässt. Indem Du Raum für diese Momente schaffst, hältst Du die Liebe lebendig, während Du den Schmerz loslässt.

Praktische Impulse, um Raum zu lassen

Pema Chödröns Weisheit ist nicht nur poetisch, sondern auch praktisch anwendbar. Hier sind fünf Impulse, um „Raum lassen“ in Deinem Trauerprozess zu integrieren:

  • Atme bewusst: Wenn Trauer aufkommt, halte inne, lege eine Hand auf Dein Herz und atme tief. Spüre, wie Dein Atem Raum für Deine Gefühle schafft.
  • Schreibe ohne Urteil: Nimm ein Tagebuch und schreibe alles auf, was du fühlst – Traurigkeit, Freude, Wut, Hoffnung. Lass die Worte fließen, ohne sie zu bewerten.
  • Schaffe einen heiligen Raum: Richte einen kleinen Ort ein – z. B. mit einer Kerze oder einem Foto – wo Du Deine Trauer und Erinnerungen willkommen heißen kannst.
  • Erlaube alle Gefühle: Wenn Freude oder Leichtigkeit in Deiner Trauer auftaucht, schäme Dich nicht. Sage Dir: „Auch dies darf sein.“
  • Suche traumasensible Unterstützung: Wenn der Schmerz zu schwer ist, sprich mit einer Begleitung, die Dir hilft, Deine Gefühle achtsam zu halten.

Dein Weg beginnt hier

Trauer ist kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein Prozess, der Dich zu tiefer Lebendigkeit führt. Pema Chödröns Worte „Raum lassen“ sind ein sanfter Leitfaden für Deinen Trauerweg. Sie erinnern Dich daran, dass Heilung nicht im Kämpfen, sondern im Annehmen liegt. Indem Du Raum für Trauer, Elend, Linderung und Freude schaffst, öffnest Du Dein Herz für den natürlichen Fluss des Lebens.

Fühlst du dich von deiner Trauer überwältigt oder möchtest du lernen, Raum für deine Gefühle zu schaffen? Als TrauerbegleiterinLebensberaterin und Craniosacral-Therapeutin begleite ich Dich bei trauerlicht traumasensibel, um Deinen Trauerprozess achtsam zu gestalten und neue Kraft zu finden.

Kontaktiere mich gerne telefonisch, per eMail oder Messenger für eine liebevolle und ganzheitliche Begleitung auf Deinem Trauerweg.

Ich bin da für Dich.

Von Herzen,

Ursula =)

Unbewusste Trauer.

Wenn wir trauern, ohne es zu wissen...

Wenn die Erfahrung eines Verlustes kaum oder gar nicht emotional erfahren und durchlebt wird oder werden kann, drückt sich die Trauerreaktion vorwiegend über körperliche Symptome aus. Der Körper übernimmt die unverarbeiteten Gefühle und entwickelt spezifische Anpassungsstrategien, die sich als chronische und/oder psychosomatische Beschwerden zeigen. Die Trauer ist so tief in uns verborgen, dass wir uns an sie nicht mehr bewusst erinnern – wir haben die Verbindung zu unseren tiefsten Gefühlen verloren.

Vielleicht gab es schon in unserer Kindheit in unserem familiären Umfeld aus den verschiedensten Gründen kein Platz für unsere Gefühle. Vielleicht war niemand da, der unsere Trauer wahrgenommen hat. Vielleicht wollten wir unsere Trauer auch gar nicht zeigen, weil wir uns für unsere Gefühle schämten oder wir unsere Eltern und Geschwister nicht belasten wollten.

Aus der Somato Emotionalen Entspannung ist Phänomen der Trauer über unvollendete biologische Prozesse bekannt. Das bedeutet, dass ein natürlich geplanter oder vorherbestimmter biologischer Ablauf nicht vollendet wurde und sich als Unwohl-Sein, Schmerz oder Störung im Körper manifestiert. Dies kann eine Schwangerschaft sein, die durch eine Fehlgeburt oder einen Not-Kaiserschnitt nicht dem biologischen Programm gemäß vollendet wurde. Oder eine Geburt, bei der das Bonding mit dem Baby nicht in der optimalen Form möglich war. Auch ein gestörter Prozess der Reproduktion durch Sterilisation oder Kinderlosigkeit kann zu körperlichen Trauerprozessen führen.

Aber auch der Verlust der körperlichen Unversehrtheit durch Operationen, durch schwere Krankheiten oder der Verlust von biologischen Funktionen und körperlichen Fähigkeiten wie z.B. durch eine Sterilisation, eine Amputation oder die Entfernung eines Organs können biologische Trauerprozesse und entsprechende psychosomatische Beschwerden auslösen, wenn sich Betroffene des Verlustes nicht bewusst sind und diesen weder verarbeitet noch integriert haben.

Und schließlich kann es auch sein, dass wir um etwas trauern, das wir niemals hatten – beispielsweise eine unbeschwerte Kindheit, wenn wir ohne Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister aufwuchsen. Wenn wir viel zu früh erwachsen werden mussten durch kranke, traumatisierte oder süchtige Eltern, um die wir uns kümmern mussten oder weil wir selbst krank und lange Zeit im Spital auf uns selbst gestellt waren. Viele von uns trauern tief in ihrem Inneren, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem ihr wahres Potenzial nicht erkannt, gesehen und gefördert wurde, weil sie nie vollständig und ganz wahrgenommen wurden, so wie sie wirklich sind – ihr Licht, ihre Liebe und ihre Seele.

Wenn wir von Anfang an mit solchen Verlusten leben müssen, dann wird der Verlust „normal“ und wir haben ganz vergessen, dass wir eine tiefe Traurigkeit in uns tragen, die gesehen, gefühlt und erlöst werden will.

Es gibt fünf verschiedene Formen von unbewusster Trauer, die sich besonders gravierend auf unser Leben auswirken: Verlust in vorgeburtlicher Zeit, Verlust einer heilen Geburtserfahrung, Verlust von Urvertrauen im Kindesalter, Verluste aus früheren Leben, Übernommene Verluste aus dem Ahnenfeld. 

Mehr Informationen dazu findest Du im Blog-Artikel „Unbewusste Trauer“.

Komplizierte Trauer.

Wenn Trauer kompliziert wird...

Werden die Gefühle der Trauer aus verschiedensten Gründen verneint, unterdrückt oder nur teilweise durchlebt, kann der Verlust im Laufe der Zeit nicht auf gesunde Weise verarbeitet und integriert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz bleibt aus – wir bleiben in Trauerkrisen verhaftet.

Vor allem dann, wenn Betroffene sich selbst nicht erlauben zu trauern, sich für ihre Trauer schämen oder ihre Trauer aus verschiedenen persönlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen nicht leben können, verkompliziert sich der Trauerprozess.

Die Trauer wird unterdrückt, dauert sehr lange an oder ist mit extremen Gefühlen verbunden – wie beispielsweise starkem Zorn oder extrem starken Schuldgefühlen. Diese Probleme hängen oft mit einer sehr ambivalenten und stark belasteten Beziehung zum Verstorbenen zusammen.

Die nicht verarbeitete Trauer kann sich in Depression, in Panik- und Angstzuständen, in verschiedensten psychosomatischen und körperlichen Symptomen ausdrücken und sogar Suchterkrankungen nach sich ziehen. Wir verlieren den positiven Blick auf uns und unser Leben, unsere Perspektiven und unseren Lebensmut.

Auch bereits länger zurückliegende Verluste, die noch nicht verarbeitet wurden, können eine große Belastung für Betroffene und ihr Umfeld darstellen und zu ungesunden und dauerhaften Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Zieht sich der/die Trauernde sozial stark zurück, verspürt starke Schuldgefühle oder lang anhaltende Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung, leidet unter psychosomatischen Symptomen (Schlaflosigkeit, Brust- oder Herzschmerzen, Gewichtsabnahme, etc.) oder äußert den Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen oder ohne das Verlorene nicht weiter leben zu können, ist eine professionelle psychologische Beratung oder Psychotherapie dringend anzuraten.

Erschwerte Trauer.

Wenn Trauer unerträglich ist...

Plötzlich und unerwartete sowie traumatische Todesfälle können den Trauerprozess erschweren oder verhindern beziehungsweise die Trauerreaktionen stark intensivieren.

Wenn Menschen durch eigene Hand (Suizid) aus dem Leben scheiden, ist der Prozess des Abschied-Nehmens und des Trauerns für die Hinterbliebenen sehr komplex. Trauer und Schmerz mischen sich mit Wut und Schuldgefühlen und quälenden Fragen nach dem Warum und was man hätte tun können, um es zu verhindern.

Hinzu kommt, dass das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabubehaftet ist – Betroffene sind mit einem stark verunsicherten Umfeld konfrontiert oder verschweigen den Suizid aus Schamgefühl oder um das Andenken des Verstorbenen nicht zu beschmutzen.

Der Tod des eigenen Kindes (plötzlicher Kindstod, Unfall, Krankheit, Drogenmissbrauch, Selbsttötung oder Gewaltverbrechen) stürzt die Hinterbliebenen und ihre gesamtes Umfeld meist in eine tiefe persönliche, partnerschaftliche und familiäre Krise. Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Tod eines Neugeborenen fehlt im Umfeld häufig das Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse verwaister Eltern. 

Ein medizinisch notwendiger oder von den Eltern gewollter  Schwangerschaftsabbruch stellt ebenfalls eine traumatische Erfahrung und eine große Belastung für die Eltern und auch ihre Beziehung dar. Das Verständnis, dass nach einer bewussten Entscheidung zur Beendigung einer Schwangerschaft großer Schmerz, tiefe Trauer und starke Schulgefühle auftreten, fehlt meistens.

Auch unklare Verlustsituationen bei verschwundenen, verschollenen oder vermissten Personen, eine besonders belastete Beziehungssituation (körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Co-Abhängigkeit),  vorausgegangene nicht bewältigte Verlusterfahrungen, soziale Isolation, ein fehlender emotionaler Austausch im persönlichen Umfeld sowie die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Verlust können eine natürliche Verarbeitung erschweren, verlängern oder sogar unmöglich machen.