URSULA HOHLWEG

Warum ist Berührung so wichtig für uns?

Berührung

Ein elementarer Bestandteil unseres Lebens.

Berührung ist ein elementarer Bestandteil unseres Lebens.

Positiver und liebevoller Körperkontakt gibt uns emotionalen Halt und Sicherheit. Er schenkt uns Geborgenheit und Trost. Er beruhigt und entspannt uns.

Wir sind fähig zu unterscheiden, ob uns jemand liebevoll oder gedankenlos berührt. Dieses Feingefühl hat einen evolutionsbiologischen Hintergrund.

Berührung ist unsere Ur-Sprache.

Schon lange bevor die Menschen mittels Sprache kommunizieren konnten, verständigten sie sich mittels Körperkontakt und körperlicher Interaktion.

Auch wir Menschen gehen am Anfang unseres Lebens durch eine Phase, wo wir ausschließlich auf Berührung und körperliche Interaktion mit unseren Bezugspersonen angewiesen sind.

Bevor wir uns mit Sprache ausdrücken können und formulieren können, was wir brauchen oder was uns innerlich bewegt, haben wir „nur“ unseren Körper als Instrument für den Austausch mit unserer Umwelt zur Verfügung.

Berührung ist unser erster Sinn.

Schon im Mutterleib ist Berührung unsere erste Möglichkeit, mit dem, was uns umgibt in Kontakt und Interaktion zu kommen.

Unser Tast-Sinn ist der erste Sinn, den wir im Mutterleib entwickeln.

Später, als Neugeborenes, als Baby und Kleinkind lernen wir uns selbst und unsere Umwelt zunächst hauptsächlich über Berührung kennen.

Mit Haut, Händen und Mund erforschen und „sehen“ wir die Welt und „begreifen“ ganzheitlich, wie Leben im Körper funktioniert.

Unser Lebenselixier.

Der Körperkontakt mit unseren Eltern, Geschwistern und Großeltern zeigt uns von Anbeginn: „Ja, ich bin da. Ich werde wahrgenommen. Jemand ist da, der sich um mich kümmert.“

Über das physische Berührt-Werden entwickeln wir nicht nur unsere Identität und unser Körper- und Selbstbewusstsein, sondern auch das Urvertrauen in sich selbst, in andere und das Leben allgemein wird auf der körperlichen Ebene vermittelt.

Erst über den Körperkontakt zu anderen erkennen und erleben wir, dass wir da sind, dass wir existieren und dass es einen Sinn hat, hier zu sein.

Und das animiert uns zu wachsen und uns weiter zu entwickeln.

Sehnsucht nach tiefer Verbundenheit und freier Entfaltung

Als Menschen und fühlende Wesen sehnen wir uns alle in unserem Innersten nach tiefer Verbundenheit mit uns selbst und anderen und gleichzeitig nach vollständig freier Entfaltung unseres Wesens.

Diese tiefe Verbundenheit können wir als körperliche Wesen nur über Berührung erfahren.

In unserer heutigen Gesellschaft kommt Berührung jedoch leider viel zu kurz. Es gab noch nie so wenig Berührung wie heute. Darunter leidet nicht nur unser Gefühl für Verbundenheit und Gemeinschaft, sondern auch unsere Gesundheit.

Ein Mangel an körperlicher Zuwendung hat schwerwiegende Folgen und kann zu körperlicher, geistiger, emotionaler und folglich auch sozialer Verkümmerung und sogar zum Tod führen.

Menschen, die an Ess-Störungen leiden oder unter starken Störungen in ihrem Hautbild leiden, haben oft einen großen Mangel an Berührung in ihrer Kindheit erlitten.

Wir sind darauf angewiesen, dass uns etwas oder jemand liebevoll berührt.

Von Herzen,

Ursula =)

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Unbewusste Trauer.

Wenn wir trauern, ohne es zu wissen...

Wenn die Erfahrung eines Verlustes kaum oder gar nicht emotional erfahren und durchlebt wird oder werden kann, drückt sich die Trauerreaktion vorwiegend über körperliche Symptome aus. Der Körper übernimmt die unverarbeiteten Gefühle und entwickelt spezifische Anpassungsstrategien, die sich als chronische und/oder psychosomatische Beschwerden zeigen. Die Trauer ist so tief in uns verborgen, dass wir uns an sie nicht mehr bewusst erinnern – wir haben die Verbindung zu unseren tiefsten Gefühlen verloren.

Vielleicht gab es schon in unserer Kindheit in unserem familiären Umfeld aus den verschiedensten Gründen kein Platz für unsere Gefühle. Vielleicht war niemand da, der unsere Trauer wahrgenommen hat. Vielleicht wollten wir unsere Trauer auch gar nicht zeigen, weil wir uns für unsere Gefühle schämten oder wir unsere Eltern und Geschwister nicht belasten wollten.

Aus der Somato Emotionalen Entspannung ist Phänomen der Trauer über unvollendete biologische Prozesse bekannt. Das bedeutet, dass ein natürlich geplanter oder vorherbestimmter biologischer Ablauf nicht vollendet wurde und sich als Unwohl-Sein, Schmerz oder Störung im Körper manifestiert. Dies kann eine Schwangerschaft sein, die durch eine Fehlgeburt oder einen Not-Kaiserschnitt nicht dem biologischen Programm gemäß vollendet wurde. Oder eine Geburt, bei der das Bonding mit dem Baby nicht in der optimalen Form möglich war. Auch ein gestörter Prozess der Reproduktion durch Sterilisation oder Kinderlosigkeit kann zu körperlichen Trauerprozessen führen.

Aber auch der Verlust der körperlichen Unversehrtheit durch Operationen, durch schwere Krankheiten oder der Verlust von biologischen Funktionen und körperlichen Fähigkeiten wie z.B. durch eine Sterilisation, eine Amputation oder die Entfernung eines Organs können biologische Trauerprozesse und entsprechende psychosomatische Beschwerden auslösen, wenn sich Betroffene des Verlustes nicht bewusst sind und diesen weder verarbeitet noch integriert haben.

Und schließlich kann es auch sein, dass wir um etwas trauern, das wir niemals hatten – beispielsweise eine unbeschwerte Kindheit, wenn wir ohne Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister aufwuchsen. Wenn wir viel zu früh erwachsen werden mussten durch kranke, traumatisierte oder süchtige Eltern, um die wir uns kümmern mussten oder weil wir selbst krank und lange Zeit im Spital auf uns selbst gestellt waren. Viele von uns trauern tief in ihrem Inneren, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem ihr wahres Potenzial nicht erkannt, gesehen und gefördert wurde, weil sie nie vollständig und ganz wahrgenommen wurden, so wie sie wirklich sind – ihr Licht, ihre Liebe und ihre Seele.

Wenn wir von Anfang an mit solchen Verlusten leben müssen, dann wird der Verlust „normal“ und wir haben ganz vergessen, dass wir eine tiefe Traurigkeit in uns tragen, die gesehen, gefühlt und erlöst werden will.

Es gibt fünf verschiedene Formen von unbewusster Trauer, die sich besonders gravierend auf unser Leben auswirken: Verlust in vorgeburtlicher Zeit, Verlust einer heilen Geburtserfahrung, Verlust von Urvertrauen im Kindesalter, Verluste aus früheren Leben, Übernommene Verluste aus dem Ahnenfeld. 

Mehr Informationen dazu findest Du im Blog-Artikel „Unbewusste Trauer“.

Komplizierte Trauer.

Wenn Trauer kompliziert wird...

Werden die Gefühle der Trauer aus verschiedensten Gründen verneint, unterdrückt oder nur teilweise durchlebt, kann der Verlust im Laufe der Zeit nicht auf gesunde Weise verarbeitet und integriert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz bleibt aus – wir bleiben in Trauerkrisen verhaftet.

Vor allem dann, wenn Betroffene sich selbst nicht erlauben zu trauern, sich für ihre Trauer schämen oder ihre Trauer aus verschiedenen persönlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen nicht leben können, verkompliziert sich der Trauerprozess.

Die Trauer wird unterdrückt, dauert sehr lange an oder ist mit extremen Gefühlen verbunden – wie beispielsweise starkem Zorn oder extrem starken Schuldgefühlen. Diese Probleme hängen oft mit einer sehr ambivalenten und stark belasteten Beziehung zum Verstorbenen zusammen.

Die nicht verarbeitete Trauer kann sich in Depression, in Panik- und Angstzuständen, in verschiedensten psychosomatischen und körperlichen Symptomen ausdrücken und sogar Suchterkrankungen nach sich ziehen. Wir verlieren den positiven Blick auf uns und unser Leben, unsere Perspektiven und unseren Lebensmut.

Auch bereits länger zurückliegende Verluste, die noch nicht verarbeitet wurden, können eine große Belastung für Betroffene und ihr Umfeld darstellen und zu ungesunden und dauerhaften Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Zieht sich der/die Trauernde sozial stark zurück, verspürt starke Schuldgefühle oder lang anhaltende Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung, leidet unter psychosomatischen Symptomen (Schlaflosigkeit, Brust- oder Herzschmerzen, Gewichtsabnahme, etc.) oder äußert den Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen oder ohne das Verlorene nicht weiter leben zu können, ist eine professionelle psychologische Beratung oder Psychotherapie dringend anzuraten.

Erschwerte Trauer.

Wenn Trauer unerträglich ist...

Plötzlich und unerwartete sowie traumatische Todesfälle können den Trauerprozess erschweren oder verhindern beziehungsweise die Trauerreaktionen stark intensivieren.

Wenn Menschen durch eigene Hand (Suizid) aus dem Leben scheiden, ist der Prozess des Abschied-Nehmens und des Trauerns für die Hinterbliebenen sehr komplex. Trauer und Schmerz mischen sich mit Wut und Schuldgefühlen und quälenden Fragen nach dem Warum und was man hätte tun können, um es zu verhindern.

Hinzu kommt, dass das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabubehaftet ist – Betroffene sind mit einem stark verunsicherten Umfeld konfrontiert oder verschweigen den Suizid aus Schamgefühl oder um das Andenken des Verstorbenen nicht zu beschmutzen.

Der Tod des eigenen Kindes (plötzlicher Kindstod, Unfall, Krankheit, Drogenmissbrauch, Selbsttötung oder Gewaltverbrechen) stürzt die Hinterbliebenen und ihre gesamtes Umfeld meist in eine tiefe persönliche, partnerschaftliche und familiäre Krise. Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Tod eines Neugeborenen fehlt im Umfeld häufig das Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse verwaister Eltern. 

Ein medizinisch notwendiger oder von den Eltern gewollter  Schwangerschaftsabbruch stellt ebenfalls eine traumatische Erfahrung und eine große Belastung für die Eltern und auch ihre Beziehung dar. Das Verständnis, dass nach einer bewussten Entscheidung zur Beendigung einer Schwangerschaft großer Schmerz, tiefe Trauer und starke Schulgefühle auftreten, fehlt meistens.

Auch unklare Verlustsituationen bei verschwundenen, verschollenen oder vermissten Personen, eine besonders belastete Beziehungssituation (körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Co-Abhängigkeit),  vorausgegangene nicht bewältigte Verlusterfahrungen, soziale Isolation, ein fehlender emotionaler Austausch im persönlichen Umfeld sowie die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Verlust können eine natürliche Verarbeitung erschweren, verlängern oder sogar unmöglich machen.