Trauer bringt viele verschiedene Fragen mit sich, für die es keine einfachen Antworten gibt.
Die nachstehende Frage hat mir eine meiner KlientInnen gestellt. Sie hat mich sehr berührt und bewegt, weil ich das auch aus eigener Erfahrung kenne: Dass gerade in schwierigen Lebenssituationen alte Mustern und Verhaltensweisen zurück kehren, von denen wir dachten, dass wir sie schon längst hinter uns gelassen haben.
Vielleicht beschäftigt diese Frage auch Dich.
Die Frage aus meiner Community.
„Letztes Jahr sind in meinem Leben mehrere Umbrüche passiert und seit dem ist mein altes Muster (mich mit Essen zu beruhigen) wieder so präsent – dabei dachte ich, ich hätte es schon lange überwunden.
Woran kann das liegen und was kann ich tun, damit das jetzt wirklich mal heilt und ich mich so liebevoll mir selbst gegenüber verhalte, wie ich das eigentlich machen will?„
Was ich Dir darauf antworten möchte.
Wenn uns das Leben mit mehreren Umbrüchen auf einmal konfrontiert bringt dies große Unsicherheit und viel Stress in unser Leben. Und unser Nervensystem holt uns in alte Muster zurück. Nicht weil wir versagt haben – sondern weil unser Körper aus Erfahrung weiß: „Das hat damals funktioniert – und es wird wieder funktionieren!“
Alte Selbstberuhigungsstrategien – Essen, Alkohol, exzessives Arbeiten, Social Media, Binge Watching,… – werden wieder aktiv, weil sich Dein Nervensystem gerade nicht sicher genug fühlt, um auf die neuen Strategien zurückzugreifen, die Du Dir bereits erarbeitet hast. Damals standen Dir diese Alternativen noch nicht zur verfügung. Dein Muster hat damals Dein emotionales Überleben gesichert – und genau das tut es jetzt wieder.
Vielleicht sind durch die vielen Veränderungen alte, unverarbeitete Emotionen und Prägungen wieder aufgetaucht. Vielleicht hast Du gerade zu wenig Raum, Dich zu regulieren. Oder Du stehst unter so großem Druck, dass der Gedanke auftaucht: „Wenn ich mich nicht jetzt sofort beruhige, bricht alles zusammen.“
Doch all das ist kein Rückschritt. Es ist Dein Nervensystem, das Schutz sucht.
Schenke Dir selbst Dein volles Mitgefühl. Versuche Dein vegetatives Nervensystem zu beruhigen und Sicherheit im Körper herzustellen. Atme ganz tief in Deinen Bauch und umarme Dich selbst. Bewege Dich ganz sanft, leicht wiegend oder wackle mit Deinen Zehen (das ist kein Witz, das ist Nervensystem-Wissen!). Lege Dir eine Wärmflasche auf den Bauch – tue, was auch immer Dir gut tut und Dich beruhigt. Lege Deine Hand auf Dein Herz, atme tief ein und aus und sage laut: „Ich bin in Sicherheit.“
Beobachte Deinen Schutzmechanismus liebevoll und ohne Urteil. Sei dankbar, dass Du dieses Muster in der Vergangenheit kreiert hast. Es hat Dir bisher – so gut es eben ging – geholfen hat. Dieses Muster ist ein Teil von Dir – und es hat genau das gemacht, was es tun sollte: Dein (emotionales) Überleben sichern. Dann frage Dich: „Was brauche ich jetzt wirklich? Ruhe? Eine Umarmung? Bewegung?“ Überlege Alternativen zu Deiner alten Selbstberuhigungsstrategie: Journaling, ein Glas Wasser trinken, Spazierengehen oder einfach nur ganz bewusst zu atmen. Überlege Dir weitere Selbstberuhigungs-Rituale und baue sie in Deinem Alltag ein.
Es könnte sich für Dich lohnen, die tieferen emotionalen Schichten, die hinter Deinem Muster liegen, noch einmal ganz liebevoll und wertschätzend anzuschauen. Denke auf Deinem Weg der Heilung bitte immer daran, dass es Zeit und Geduld braucht, diese tief in Dir verankerten Muster vollständig zu transformieren.
Sei sanft mit Dir. Du bist bereits auf dem Weg.
Du bist nicht alleine.
Wenn Dich dieser Artikel berührt hat und Du spürst, dass Deine Trauer Begleitung braucht – ich bin da für Dich.
Melde Dich gerne bei mir – ich antworte Dir persönlich, meist innerhalb von 24 Stunden.
Von Herzen,
