Ich dachte, ich hätte das überwunden – warum kehrt dieses Muster in der Trauer zurück?

Weiße Frangipani am Strand für Ho’oponopono – Innerer Frieden durch Vergebung

Inhaltsverzeichnis

Trauer bringt viele verschiedene Fragen mit sich, für die es keine einfachen Antworten gibt.

Die nachstehende Frage hat mir eine meiner KlientInnen gestellt. Sie hat mich sehr berührt und bewegt, weil ich das auch aus eigener Erfahrung kenne: Dass gerade in schwierigen Lebenssituationen alte Mustern und Verhaltensweisen zurück kehren, von denen wir dachten, dass wir sie schon längst hinter uns gelassen haben.

Vielleicht beschäftigt diese Frage auch Dich.

Die Frage aus meiner Community.

Letztes Jahr sind in meinem Leben mehrere Umbrüche passiert und seit dem ist mein altes Muster (mich mit Essen zu beruhigen) wieder so präsent – dabei dachte ich, ich hätte es schon lange überwunden.

Woran kann das liegen und was kann ich tun, damit das jetzt wirklich mal heilt und ich mich so liebevoll mir selbst gegenüber verhalte, wie ich das eigentlich machen will?

Was ich Dir darauf antworten möchte.

Wenn uns das Leben mit mehreren Umbrüchen auf einmal konfrontiert bringt dies große Unsicherheit und viel Stress in unser Leben. Und unser Nervensystem holt uns in alte Muster zurück. Nicht weil wir versagt haben – sondern weil unser Körper aus Erfahrung weiß: „Das hat damals funktioniert – und es wird wieder funktionieren!“

Alte Selbstberuhigungsstrategien – Essen, Alkohol, exzessives Arbeiten, Social Media, Binge Watching,… – werden wieder aktiv, weil sich Dein Nervensystem gerade nicht sicher genug fühlt, um auf die neuen Strategien zurückzugreifen, die Du Dir bereits erarbeitet hast. Damals standen Dir diese Alternativen noch nicht zur verfügung. Dein Muster hat damals Dein emotionales Überleben gesichert – und genau das tut es jetzt wieder.

Vielleicht sind durch die vielen Veränderungen alte, unverarbeitete Emotionen und Prägungen wieder aufgetaucht. Vielleicht hast Du gerade zu wenig Raum, Dich zu regulieren. Oder Du stehst unter so großem Druck, dass der Gedanke auftaucht: „Wenn ich mich nicht jetzt sofort beruhige, bricht alles zusammen.“

Doch all das ist kein Rückschritt. Es ist Dein Nervensystem, das Schutz sucht.

Schenke Dir selbst Dein volles Mitgefühl. Versuche Dein vegetatives Nervensystem zu beruhigen und Sicherheit im Körper herzustellen. Atme ganz tief in Deinen Bauch und umarme Dich selbst. Bewege Dich ganz sanft, leicht wiegend oder wackle mit Deinen Zehen (das ist kein Witz, das ist Nervensystem-Wissen!). Lege Dir eine Wärmflasche auf den Bauch – tue, was auch immer Dir gut tut und Dich beruhigt. Lege Deine Hand auf Dein Herz, atme tief ein und aus und sage laut: „Ich bin in Sicherheit.

Beobachte Deinen Schutzmechanismus liebevoll und ohne Urteil. Sei dankbar, dass Du dieses Muster in der Vergangenheit kreiert hast. Es hat Dir bisher – so gut es eben ging – geholfen hat. Dieses Muster ist ein Teil von Dir – und es hat genau das gemacht, was es tun sollte: Dein (emotionales) Überleben sichern. Dann frage Dich: „Was brauche ich jetzt wirklich? Ruhe? Eine Umarmung? Bewegung?“ Überlege Alternativen zu Deiner alten Selbstberuhigungsstrategie: Journaling, ein Glas Wasser trinken, Spazierengehen oder einfach nur ganz bewusst zu atmen. Überlege Dir weitere Selbstberuhigungs-Rituale und baue sie in Deinem Alltag ein.

Es könnte sich für Dich lohnen, die tieferen emotionalen Schichten, die hinter Deinem Muster liegen, noch einmal ganz liebevoll und wertschätzend anzuschauen. Denke auf Deinem Weg der Heilung bitte immer daran, dass es Zeit und Geduld braucht, diese tief in Dir verankerten Muster vollständig zu transformieren.

Sei sanft mit Dir. Du bist bereits auf dem Weg.

Du bist nicht alleine.

Wenn Dich dieser Artikel berührt hat und Du spürst, dass Deine Trauer Begleitung braucht – ich bin da für Dich.

Melde Dich gerne bei mir – ich antworte Dir persönlich, meist innerhalb von 24 Stunden.

Von Herzen,

Ursula =)

Unbewusste Trauer.

Wenn wir trauern, ohne es zu wissen...

Wenn die Erfahrung eines Verlustes kaum oder gar nicht emotional erfahren und durchlebt wird oder werden kann, drückt sich die Trauerreaktion vorwiegend über körperliche Symptome aus. Der Körper übernimmt die unverarbeiteten Gefühle und entwickelt spezifische Anpassungsstrategien, die sich als chronische und/oder psychosomatische Beschwerden zeigen. Die Trauer ist so tief in uns verborgen, dass wir uns an sie nicht mehr bewusst erinnern – wir haben die Verbindung zu unseren tiefsten Gefühlen verloren.

Vielleicht gab es schon in unserer Kindheit in unserem familiären Umfeld aus den verschiedensten Gründen kein Platz für unsere Gefühle. Vielleicht war niemand da, der unsere Trauer wahrgenommen hat. Vielleicht wollten wir unsere Trauer auch gar nicht zeigen, weil wir uns für unsere Gefühle schämten oder wir unsere Eltern und Geschwister nicht belasten wollten.

Aus der Somato Emotionalen Entspannung ist Phänomen der Trauer über unvollendete biologische Prozesse bekannt. Das bedeutet, dass ein natürlich geplanter oder vorherbestimmter biologischer Ablauf nicht vollendet wurde und sich als Unwohl-Sein, Schmerz oder Störung im Körper manifestiert. Dies kann eine Schwangerschaft sein, die durch eine Fehlgeburt oder einen Not-Kaiserschnitt nicht dem biologischen Programm gemäß vollendet wurde. Oder eine Geburt, bei der das Bonding mit dem Baby nicht in der optimalen Form möglich war. Auch ein gestörter Prozess der Reproduktion durch Sterilisation oder Kinderlosigkeit kann zu körperlichen Trauerprozessen führen.

Aber auch der Verlust der körperlichen Unversehrtheit durch Operationen, durch schwere Krankheiten oder der Verlust von biologischen Funktionen und körperlichen Fähigkeiten wie z.B. durch eine Sterilisation, eine Amputation oder die Entfernung eines Organs können biologische Trauerprozesse und entsprechende psychosomatische Beschwerden auslösen, wenn sich Betroffene des Verlustes nicht bewusst sind und diesen weder verarbeitet noch integriert haben.

Und schließlich kann es auch sein, dass wir um etwas trauern, das wir niemals hatten – beispielsweise eine unbeschwerte Kindheit, wenn wir ohne Vater, Mutter, Großeltern oder Geschwister aufwuchsen. Wenn wir viel zu früh erwachsen werden mussten durch kranke, traumatisierte oder süchtige Eltern, um die wir uns kümmern mussten oder weil wir selbst krank und lange Zeit im Spital auf uns selbst gestellt waren. Viele von uns trauern tief in ihrem Inneren, weil sie in einem Umfeld aufwuchsen, in dem ihr wahres Potenzial nicht erkannt, gesehen und gefördert wurde, weil sie nie vollständig und ganz wahrgenommen wurden, so wie sie wirklich sind – ihr Licht, ihre Liebe und ihre Seele.

Wenn wir von Anfang an mit solchen Verlusten leben müssen, dann wird der Verlust „normal“ und wir haben ganz vergessen, dass wir eine tiefe Traurigkeit in uns tragen, die gesehen, gefühlt und erlöst werden will.

Es gibt fünf verschiedene Formen von unbewusster Trauer, die sich besonders gravierend auf unser Leben auswirken: Verlust in vorgeburtlicher Zeit, Verlust einer heilen Geburtserfahrung, Verlust von Urvertrauen im Kindesalter, Verluste aus früheren Leben, Übernommene Verluste aus dem Ahnenfeld. 

Mehr Informationen dazu findest Du im Blog-Artikel „Unbewusste Trauer“.

Komplizierte Trauer.

Wenn Trauer kompliziert wird...

Werden die Gefühle der Trauer aus verschiedensten Gründen verneint, unterdrückt oder nur teilweise durchlebt, kann der Verlust im Laufe der Zeit nicht auf gesunde Weise verarbeitet und integriert werden. Die Auseinandersetzung mit dem Schmerz bleibt aus – wir bleiben in Trauerkrisen verhaftet.

Vor allem dann, wenn Betroffene sich selbst nicht erlauben zu trauern, sich für ihre Trauer schämen oder ihre Trauer aus verschiedenen persönlichen, kulturellen oder gesellschaftlichen Gründen nicht leben können, verkompliziert sich der Trauerprozess.

Die Trauer wird unterdrückt, dauert sehr lange an oder ist mit extremen Gefühlen verbunden – wie beispielsweise starkem Zorn oder extrem starken Schuldgefühlen. Diese Probleme hängen oft mit einer sehr ambivalenten und stark belasteten Beziehung zum Verstorbenen zusammen.

Die nicht verarbeitete Trauer kann sich in Depression, in Panik- und Angstzuständen, in verschiedensten psychosomatischen und körperlichen Symptomen ausdrücken und sogar Suchterkrankungen nach sich ziehen. Wir verlieren den positiven Blick auf uns und unser Leben, unsere Perspektiven und unseren Lebensmut.

Auch bereits länger zurückliegende Verluste, die noch nicht verarbeitet wurden, können eine große Belastung für Betroffene und ihr Umfeld darstellen und zu ungesunden und dauerhaften Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen führen.

Zieht sich der/die Trauernde sozial stark zurück, verspürt starke Schuldgefühle oder lang anhaltende Gefühle von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit oder Verbitterung, leidet unter psychosomatischen Symptomen (Schlaflosigkeit, Brust- oder Herzschmerzen, Gewichtsabnahme, etc.) oder äußert den Wunsch, dem Verstorbenen zu folgen oder ohne das Verlorene nicht weiter leben zu können, ist eine professionelle psychologische Beratung oder Psychotherapie dringend anzuraten.

Erschwerte Trauer.

Wenn Trauer unerträglich ist...

Plötzlich und unerwartete sowie traumatische Todesfälle können den Trauerprozess erschweren oder verhindern beziehungsweise die Trauerreaktionen stark intensivieren.

Wenn Menschen durch eigene Hand (Suizid) aus dem Leben scheiden, ist der Prozess des Abschied-Nehmens und des Trauerns für die Hinterbliebenen sehr komplex. Trauer und Schmerz mischen sich mit Wut und Schuldgefühlen und quälenden Fragen nach dem Warum und was man hätte tun können, um es zu verhindern.

Hinzu kommt, dass das Thema Suizid in unserer Gesellschaft tabubehaftet ist – Betroffene sind mit einem stark verunsicherten Umfeld konfrontiert oder verschweigen den Suizid aus Schamgefühl oder um das Andenken des Verstorbenen nicht zu beschmutzen.

Der Tod des eigenen Kindes (plötzlicher Kindstod, Unfall, Krankheit, Drogenmissbrauch, Selbsttötung oder Gewaltverbrechen) stürzt die Hinterbliebenen und ihre gesamtes Umfeld meist in eine tiefe persönliche, partnerschaftliche und familiäre Krise. Nach einer Fehlgeburt, einer stillen Geburt oder dem Tod eines Neugeborenen fehlt im Umfeld häufig das Verständnis für die Gefühle und Bedürfnisse verwaister Eltern. 

Ein medizinisch notwendiger oder von den Eltern gewollter  Schwangerschaftsabbruch stellt ebenfalls eine traumatische Erfahrung und eine große Belastung für die Eltern und auch ihre Beziehung dar. Das Verständnis, dass nach einer bewussten Entscheidung zur Beendigung einer Schwangerschaft großer Schmerz, tiefe Trauer und starke Schulgefühle auftreten, fehlt meistens.

Auch unklare Verlustsituationen bei verschwundenen, verschollenen oder vermissten Personen, eine besonders belastete Beziehungssituation (körperlicher oder emotionaler Missbrauch, Co-Abhängigkeit),  vorausgegangene nicht bewältigte Verlusterfahrungen, soziale Isolation, ein fehlender emotionaler Austausch im persönlichen Umfeld sowie die Vermeidung der Auseinandersetzung mit dem Verlust können eine natürliche Verarbeitung erschweren, verlängern oder sogar unmöglich machen.