Trauer bringt viele verschiedene Fragen mit sich, für die es keine einfachen Antworten gibt.
Die Frage, die mir diese Woche eine Klientin gestellt hat, hat mich besonders berührt – weil ich sie mir früher selbst so oft gestellt habe: Warum nimmt Trauer eigentlich so viel Raum ein und kostet so unendlich viel Kraft, dass für kaum etwas anderes Platz bleibt?
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Die Frage aus meiner Community.
„Meine Mutter ist vor einigen Monaten verstorben. Ich glaube, dass ich ihren Tod ganz gut verarbeitet habe, aber ich bin seither so extrem kraftlos. Alles ist einfach so mühsam und anstrengend – auch die vielen verschiedenen Gefühle, die ich in Bezug auf den Tod meiner Mutter habe. Und die vielen Fragen, die ich mir seither stelle. Ich bin fast nur noch mit mir selbst und meinen inneren Prozessen beschäftigt und habe kaum Raum für etwas anderes, oft auch nicht für andere Menschen. Und manches Mal schaffe ich es kaum aus dem Bett. Warum ist Trauer nur so unglaublich anstrengend?“
Was ich Dir darauf antworten möchte.
Trauer ist anstrengend. Aus sehr vielen verschiedenen Gründen.
Zum einen wirst Du von einer Flut unterschiedlichster Emotionen durchströmt, die Dein Körper und deine Seele verarbeiten und integrieren müssen. Das alleine kostet schon enorme Kraft und braucht seine Zeit.
Durch den Verlust hast Du mehr oder weniger stark den Boden unter Deinen Füßen verloren. Die Stabilisierung eines halbwegs normalen Alltags verlangt einiges von Dir und braucht auch sehr viel Kraft.
Hinzu kommen die großen Fragen: Warum? Welchen Sinn hat das? Warum gerade sie? Warum muss Leben so schmerzhaft sein? Dein Verstand sucht unermüdlich nach Antworten, die er nicht finden kann. Und genau dieses Suchen verbraucht ganz besonders viel Kraft – schließlich ist unser Gehirn das Organ, das am meisten Energie benötigt.
Gleichzeitig ist Dein gesamtes System damit beschäftigt, sich an ein neues Leben ohne Deinen geliebten Menschen zu gewöhnen. Das ist vergleichbar mit dem Umzug in ein fremdes Land: Alles ist anders, nichts fühlt sich vertraut an. Neue Wege, neue Strategien, ein völlig veränderter Alltag. Diese Umstellung, dieses „Sich-Gewöhnen-Müssen“ kostet sehr viel Kraft.
Besonders schwer ist es, wenn Du einen Elternteil, ein älteres Geschwisterkind oder einen Menschen verloren hast, der schon immer in Deinem Leben war. Du kennst ein Leben ohne diese Person eigentlich nicht. Etwas in Dir weiß nicht, wie Leben funktionieren soll, wie Leben gehen soll – ohne sie oder ihn. Diese tiefe Orientierungslosigkeit, die ganz natürlich ist, und die damit verbundenen Gefühle und Fragen fordern zusätzlich viel Energie.
Wie Du wieder zu Kräften kommst.
Auch wenn es sich für Dich im Moment kaum vorstellbar anfühlt: Es gibt Wege, Deine Energie langsam und sanft wieder aufzufüllen. Hier sind einige nährende Alltagsroutinen, die vielen Trauernden helfen.
- Nährende Speisen und Getränke – Nimm regelmäßig warme und feuchte Mahlzeiten zu Dir – Suppen, Eintöpfe, Kompotte, Schmorgerichte. Verwende wenn möglich frische Zutaten und milde wie wärmende Gewürze. Trinke ausreichend – am besten warmes Wasser oder Kräutertee. Vermeide Zucker, Kaffe und kohlensäurehaltige Getränke.
- Ruhe und Regeneration – Versuche, möglichst vor Mitternacht ins Bett zu gehen – in dieser Zeit regeneriert sich Dein Körper am besten. Reduziere abends blaues Licht von Bildschirmen so gut es geht.
- Bewusste Pausen – Nimm Dir in Deinem Tag immer wieder eine bewusste Auszeit. Ein kurzer Spaziergang an der frischen Luft, 10 Minuten einfach nur aus dem Fenster schauen, bewusst in den Bauch atmen. Das sind kleine Rituale, die Dir Kraft geben.
- Sanfte Bewegung – Wähle Bewegungen und Sport, die Dich nicht zusätzlich anstrengen und auslaugen: Spazieren gehen, sanftes Yoga, Qi Gong oder einfach nur ein paar Dehnübungen. Intensiver Sport oder Leistungsdruck sind in dieser Phase meist kontraproduktiv, denn Du leistest gerade schon enorm viel – auf emotionaler und seelischer Ebene.
- Den Gefühlshaushalt ausgleichen – Trauer bringt die schwersten und schmerzhaftesten Emotionen hervor. Gerade deshalb ist es in dieser Zeit so wichtig, auch positive, nährende Gefühle bewusst zu unterstützen – nicht als „positives Denken“, sondern als sanften und ganz bewussten Ausgleich. Erinnere Dich daran, was Dir früher gut getan hat, oder entdecke neue, was Dich heute ein kleines bisschen wärmt oder Dir Freude schenkt. Auch wenn es sich erst fremd oder sinnlos anfühlt. Schon zehn Minuten, in denen Du Dir etwas Gutes tust, sind so unglaublich wertvoll. Zehn Minuten sind besser als drei und drei Minuten sind besser als gar nichts.
Setze Dich nicht unter Druck und nimm Deine Erschöpfung und Kraftlosigkeit an. Integriere so gut es eben geht ein paar dieser Routinen in Deinen Alltag. An manchen Tagen wird es leichter möglich sein als an anderen. Das ist absolut ok so.
Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst und tue das, was sich für Dich stimmig anfühlt. Es gibt kein richtig oder falsch.
Du bist nicht alleine.
Wenn Du aktuell in einem Trauerprozess bist und spürst, dass Deine Trauer Begleitung braucht – ich bin da für Dich.
Melde Dich gerne bei mir – ich antworte Dir persönlich, meist innerhalb von 24 Stunden.
Von Herzen,
